Märchen und Sagen aus alten Tagen

Der Tod des Erbprinzen Heinrich

...und die Treue an das angestammte Fürstenhaus

Der letzte Sproß des Saarbrücker Fürstenhauses, der äußerst beliebte Erbpriz Heinrich, der 1793 in der Revolution sich nur durch einen Sprung aus dem Neunkirchener Schlosse von hoher Mauer herab vor seinen Verfolgern gerettet hatte, sollte sein Land nicht wiedersehen. Der Form nach nahm er nach dem Tode seines Vaters den Fürstentitel an und starb dann infolge eines Sturzes mit dem Pferde in der Nähe des Schlosses Kadolzburg im Ansbachischen im Jahre 1797.

In Saarbrücken wollte man den Tod des geliebten Fürsten, mit dem viele Hoffnungen zu Grabe getragen wurde, lange nicht glauben, und es ging die Sage „der Prinz ist nicht tot, er lebet; das sind lauter Spiegelfechtereien. Nun den 16. Mai (1797) glaubet es fast niemand mehr....er ist nicht tot; man weiß sich nicht darin zu richten...“ Aber selbst noch, nachdem die französische Herrschaft der Revolutionsarmee und dann die des Kaisers Napoleon über das Saarbrücker Land längst ein Ende hatte und Saarbrücken schon 20 Jahre bei Preußen war, wollte die Erinnerung an den liebenswürdigen Prinzen nicht sterben.

Ein alter St. Johanner Bürger namens Kriegemeier, der noch bis gegen 1830 am Markte wohnte, konnte die gute Zeit nicht vergessen, die er im verflossenen Jahrhundert erlebt hatte. So ging er bis zu seinem Tode in altertümlicher Tracht einher und ließ sich nicht bereden, dem Zopf und dem Puder zu entsagen.

Noch als er ganz alt und gebrechlich geworden war, wanderte er jeden Tag in diesem Aufzuge die Mainzer Straße in großer Erwartung herunter, um vor der Stadt emsig auszuschauen. Wenn man ihn dann fragte, wohin er gehe, sagte er: „Unserem Erbprinzen Heinrich entgegen, denn heute kommt er ganz bestimmt zurück.“