Märchen und Sagen aus alten Tagen

Der Pfifferjokob

Der Pfifferjokob war ein Original zu Fürstenzeiten. Er wohnte im Tal. Als einst der Fürst vorbeifuhr, hörte er wunderschönes Pfeifen, und er sah einen großen Käfig voll der seltensten bunten Vögel am Fenster stehen, wo der Pfifferjokob wohnte. Gleich ließ er ihn kommen und kaufte ihm um vieles Geld die Tiere ab. Doch sie wollten und wollten nicht pfeifen. Da ließ er den Jokob ins Schloß kommen und klagte ihm das. Der aber sagte, die genierten sich nur vor seiner Durchlaucht, er möge einen Augenblick hinausgehen, und siehe kaum war er draus, da begannen sie schöner wie zuvor zu pfeifen.

Als der Pfifferjokob wieder fort war, war es mit den Tieren dieselbe Geschichte, sodaß der Fürst das Interesse an ihnen verlor. Nach längerer Zeit kommt er wieder in das Zimmer, wo sie standen und bemerkte, dass sie alle ihre schönen Farben verloren hatten und als graue, schmutzige Sperlinge dasaßen. Da kam es heraus, dass der Pfifferjokob sie angestrichen und das Pfeifen selbst besorgt hatte. Nun ward er wegen des Betrügens des Fürsten zu Spießrutenlaufen verurteilt. Er frug, ob er sich nicht eine Gnade auswählen dürfte, wie er wollte. Nun lief er immer im Zickzack um die Reihen der Hiebe austeilen Sollenden herum, so dass ihn kein Schlag treffen konnte.