Märchen und Sagen aus alten Tagen

Das Muhkalb

In Saarbrücken ging das Muhkalb des Abends noch im vorigen Jahrhundert durch "Trägers Gäßche". Am alten Trägerschen Hause "der weiße Daub" (jetzt Café Englert in der Schloßstraße) war es ein kleines Kalb, nach der Mitte der Gasse hin schwoll es immer mehr an und nahm dann nach der Friedenskirche zu wieder ab bis zu natürlichen Größe. In St. Johann ging es durch die Türkei, als die Türkenstraße noch ein schmales Gäßchen war. Man hörte zuerst das leise Blöken eines Kalbes, dies wurde dann nach der Mitte zu immer lauter, bis es wieder annehmend am Gerberplatz leise erstarb. Es wurde immer erzählt, die katholische Kirche habe kein Zehnuhrleuten, weil sich damals niemand um diese zeit auf den Turm getraute.

Wenn auch das Erscheinen dieses Saarbrücker Gespenstertieres als Kalb das übliche ist, so konnte es sich doch auch als Hund, bald als Kuh, als Esel oder auch als Pferd zeigen. Oft Soll es auch als Kalb ohne Kopf erschienen sein.