Märchen und Sagen aus alten Tagen

Das Schlossfräulein vom Großen Stiefel

Im Schlossgarten der ehemaligen Burg auf dem Großen Stiefel zeigt sich bisweilen das Schlossfräulein, die fromme Tochter des guten Ritters Heim, des Gründers der Burg und des Wohltäter der ganzen Umgegend, der wie König Dagobert unter ähnlichen Verhältnissen von seinen Bauern einmal gerettet worden.

Wenn phantastisch geformte Nebel über den Berg hinziehen, heißt es, das Schloßfräulein suche seine Rosen. Von seinem glückbringenden Walten folgende Sage. In den Weiler Sengscheidt (Ensheimer Gemarkung) kam vor Zeiten ein vornehmer Fremder, sein zweijähriges Töchterlein in den Mantel gehüllt, und fand freundliche Herberge bei den redlichen Leuten, wo er auch sein Leben verbrachte.

Der Hirte des Ortes war dem Kinde besonders zugetan. Am Tage vor Weihnachten sah er im Schlossgaren oben einen wundervoll blühenden Rosenstrauch, er brach einige Rosen, schenkte sie dem Kinde, das wand sich ein Kränzlein daraus und bewahrte dieses als ein Glückszeichen von Schlossjungfrau in ihrem Kasten. Das Kind erwuchs zur holdseligsten Jungfrau und war die ersehnte Braut des Grafen von Saarbrücken. Am Hochzeitstage holte sie ihre Rosen hervor, und sieh – es war ein Kranz von lauter Gold und Edelgestein.