Märchen und Sagen aus alten Tagen

Die Wassernixe von Eschringen

Bei Eschringen in tiefer Waldeinsamkeit war ein grundloser Sumpf, Seerosen erblühten in Fülle. Des Schultheißen bildschönen Sohn zog es häufig dahin.

Er hatte von der geheimnisvollen Wasserjungfer vernommen, welche tief unten wohne im kristallnen Palaste. Als er einmal wieder dort war, da regte sich eine der Seerosen, aus den Blättern des Kelches tauchte eine wunderholdes Wesen entgegen. Er streckte die Arme nach ihr aus und versank mit ihr in die Tiefe. Groß war die Trauer im Dorfe. Des Jünglings Pflegevater, der Ritter Boos von Waldeck, kam mit seinem Hauskaplan, um durch dessen Beschwörungssegen den See zu entzaubern.

Darauf ergriff der Ritter sein Schwert und hieb eine der schönsten Seerosen ab. Mit dem Schlag erströmte Blut dem abgehauenen Stengel und ertönte zugleich ein durchdringender übermenschlicher Schrei – die Wassernixe war tot.