Märchen und Sagen aus alten Tagen

Das versunkene Glöcklein

Die St. Lorenz-Kapelle bei Eschringen war vor Zeiten ein herrliches Kirchlein, der zierliche Turm trug ein silbernes Glöcklein von wunderhellem, seltsam ergreifenden Klang. Da brach ein Krieg aus, des heiligen Bild ward vom Feinde ins Wasser geworfen, das Glöcklein vor dem verfolgenden Schwarm in die Tiefe des sumpfigen Baches versenkt, da, wo der Finkelrechweg nahe vorbeiführt.

Der Sumpf ist verschwunden, und niemand weiß mehr die Stelle, wo man das Glöcklein hinabgesenkt hatte. Doch alljährlich in den Tagen des Maies, wenn zu Abend die Betglocken läuten, und in der hl. Adventszeit hört man das Läuten des Glöckleins wie aus weiter, verlorener Ferne, und es gemahnt uns ein Klang wie ein Gruß aus längst verschollenen Tagen.

Wohl haben Sie oft nach dem Glöcklein gegraben aber vergeblich. Ein alter Klosterbruder hat aber gesagt: „Sobald in der Gemeinde des Dorfes die altererbte Zwietracht zu schwinden beginnt, hebt sich das Glöcklein um einen Fuß und wird endlich am Festtage allgemeiner Versöhnung auf der Oberfläche erscheinen.