Märchen und Sagen aus alten Tagen

Das Pferd ohne Kopf

„Mein Urgroßvater stammte aus Fechingen. Als er noch ein junger Bursche war, ging er nach Ensheim freien. Oft war es spät in der Nacht, wenn er sich auf den Heimweg machte. Einst war es auch wieder spät geworden.

Als er in den Wald eintrat, schlug es gerade auf der Ensheimer Kirchenuhr zwölf. Es war eine mondhelle Nacht. Als er aus dem Walde herauskam, sah er links auf dem Acker ein gesatteltes Pferd gehen. „Ei das trifft sich gut,“ sagte er bei sich, „da kommst du ja auf gute Weise nach Hause.“ Er schwang sich auf das Pferd. Da erkannte er plötzlich, dass das Tier keinen Kopf hatte. Schon ging es aber mit ihm in rasenden Galopp den steilen Berg hinab, dem Mischbach zu, so dass ihm Hören und Sehen verging.

Auf der Wiese im Tale angekommen, ließ er sich herunterfallen. Das Pferd sprang in den Bach und war verschwunden. Da hörte er eine Stimme: „Das hat dir der Teufel getan.“ Hätten ihm nicht noch nach Tagen die Knochen geschmerzt, hätte er das ganze Erlebnis für einen Traum gehalten.“