Märchen und Sagen aus alten Tagen

Gott der Erhalter

von Clemens Brentano

Kein Tierlein ist auf Erden
dir, lieber Gott, zu klein;
du ließest alle werden,
und alle finden sie dein.

Das Vöglein in den Lüften
singt dir aus voller Brust;
die Schlange in den Klüften
zischt dir in Lebenslust.

Die Fischlein, die da schwimmen,
sind, Herr, vor dir nicht stumm;
du hörest ihre Stimmen;
vor dir kommt keines um.

Vor dir tanzt in der Sonne
der kleinen Mücken Schwarm;
zum Dank für Lebenswonne
ist keins zu klein zu arm.

Sonn, Mond gehn auf und unter
in deinem Gnadenreich,
und alle deine Wunder
sind sich an Größe gleich.

Zu dir muß jedes ringen,
wenn es in Nöten schwebt;
nur du kannst Hilfe bringen,
durch den das Ganze lebt.

In starker Hand die Erde
trägst du mit Mann und Maus;
es ruft dein Odem: "Werde!"
und bläst das Lichtlein aus.

Kein Sperling fällt vom Dache
ohn dich, vom Haupt kein Haar;
oh teurer Vater, wache
bei uns in der Gefahr!

Erhalt uns frei von Sünden,
schütz uns vor jähem Tod,
daß wir den Himmel finden
bei dir nach letzter Not!