Märchen und Sagen aus alten Tagen

Fasenacht

von Dr. Jakob Zewe

Sie fängt an mit dem "fetten Donnerstag". Vor dem beginn der strengen Fasten will man sich noch einmal " den Guten antun", und drum heißts im Volksmunde, man solle an diesem Tage noch vor der Mittagssuppe siebenmal mit dem fettigen Munde zum Fenster herausschauen. Da hatten früher auch unsre Hirten ihren "fetten" Tag, weil sie bei den Bauern ihren Hirtenlohn in barem gelde und Nahrungsmitteln in Empfang nahmen.

Fastnacht herrscht ein wirklich ausgelassenes Treiben. Vermummte Gestalten, große und kleine, ziehen als "Fasebooze" durch die belebten Straßen. Die Haustüre kommt nicht zur Ruhe. Einer gibt sie dem anderen in die Hand, ein kleiner "Fasebooz" nach dem anderen fordert seine "Fasenachtsküchelcher":

"´s Fasenacht, ´s Fasenacht
die Küchelcher sin gebackt;
eraus demit, eraus demit,
mir stecke se in de Sack.

Ich bin der kleine König,
geb mir nit ze wenig,
lonn mich nit ze long do stehn,
denn ich muß noch weiter gehn.

Ich bin der kleine Kaiser,
geh in alle Heiser,
lobe Gott im Himmelreich,
was ich krien, das ess ich gleich"

Hat die Hausfrau beim Backen der "Fasekichelcher" an fett gespart, so neckt man:

"Mei Mudder backt Kichele,
se backt se so zart,
se backt er zweihunnert
mit einer Speckschwart.